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1. AKT: IN DER MANSARDE
Der Weihnachtsabend in der von vier
jungen Künstlern bewohnten armseligen Mansarde wird sich kaum von
anderen Abenden unterscheiden: Marcel arbeitet an einem Gemälde,
Rudolf, Dichter und Schriftsteller, blickt über die Dächer von Paris.
Sie haben kein Geld, sie frieren und sind doch guten Muts. Ein Bündel
Manuskripte heizt den Ofen nur für Augenblicke. Collin, seines Zeichens
Philosoph, kommt unverrichteter Dinge nach Hause - das Leihhaus war
geschlossen. Aber der vierte, Schaunard, der Musiker, hat mehr Glück.
Er erzählt, keiner hört zu - die mitgebrachten Lebensmittel versprechen
ein frohes Fest. Schaunard aber will es anders - am Weihnachtsabend
wird ausgegangen. Noch droht Gefahr: der Hausbesitzer klopft und
verlangt die Miete. Ein Glas Wein und die Freundlichkeit der Künstler
lassen ihn in die Falle stolpern; zwinkernd spricht er von einem
Liebesabenteuer, Grund genug für die Freunde, ihm mit gut gespielter
moralischer Entrüstung die Tür zu weisen.
Rudolf bleibt noch, um
einen Artikel zu beenden, während die anderen ins Café Momus
vorausgehen. Es klopft: eine junge Frau ist draußen, sie möchte die
erloschene Kerze anzünden. Von Husten gequält, sinkt sie zusammen.
Dann, dankbar für gewährte Hilfe, will sie wieder gehen; doch der
Wohnungsschlüssel ist, nicht ganz zufällig, in Verlust geraten, die
Zugluft läßt alle Lichter verlöschen. In der Finsternis finden sich die
Hände. Mimì werde sie genannt, läßt sie wissen, sie sticke Blumen ...
Draußen rufen die Freunde. Der Weihnachtsabend hat seine Trübseligkeit
verloren.
2. AKT: DAS QUARTIER LATIN
Das Studentenviertel von
Paris bietet ein buntes Bild. Scharen von Menschen durchziehen die
Straßen. Rudolf kauft seiner Mimì ein Häubchen und lädt sie ins Café
Momus ein, stellt sie den Freunden vor, freut sich an deren
Bewunderung. Nur Marcel hat Kummer, und sein Kummer hat einen Namen:
Musetta. An der Seite eines ebenso alten wie reichen Galans erscheint
sie, mit der festen Absicht, alle Register der Verführungskunst zu
ziehen. Diesem in aller Öffentlichkeit vorgetragenen Ansturm ist Marcel
nicht gewachsen: und eine alte, große Liebe wird frisch gekittet.
3. AKT: DIE BARRIERE D'ENFER
Ein
trüber Februarmorgen an der Zollschranke, die einen Pariser Vorort von
der Innenstadt trennt. Arbeiter, Fuhrleute, Milchfrauen werden
durchgelassen, ziehen an der Schenke vorbei, die von einem halbfertigen
Bild Marcels geziert wird. Der Wind scheint Musettes Stimme
herüberzuwehen. Es ist kalt.
Mimì hatte Streit mit Rudolf, Marcel
soll vermitteln. Rudolf scheine sie zu fliehen, sie wisse nicht warum.
Auch Marcel ahnt nicht die wahren Gründe; Rudolf entdeckt sie ihm: Mimì
sei todkrank, sie habe nur noch kurze Zeit zu leben, und er ertrage
nicht, sie leiden zu sehen. Er muß noch mehr ertragen: Mimì hat ihr
Todesurteil mitangehört, ein Hustenanfall verrät ihre Gegenwart. Und
Rudolfs Liebe gelingt das Schwerste: Verzweiflung zu mildern, Ruhe in
das gequälte Herz zu bringen. Seltsamer Kontrast: Marcel und Musetta.
Ihre Liebe scheint den Streit zu suchen.
4. AKT: IN DER MANSARDE
Drei
oder vier Monate sind vergangen. Marcel und Rudolf haben ihre Geliebten
verloren. Sinnend sitzen sie bei der Arbeit. Wo ist Musette, wo ist
Mimì? Lassen sich die unbekümmerten Tage von einst wiederholen?
Fast
scheint es so: sobald Schaunard und Collin mit wenigen armseligen
Lebensmitteln kommen, wird die Stimmung besser; man versucht, die alte
Fröhlichkeit hervorzuholen, spielt Theater, tanzt, duelliert sich ...
Musetta bringt Mimì herein; Mimì, vom Tode gezeichnet. Alles bemüht
sich um sie; dankbar erkennt sie die Freunde. Durch ihren Blick werden
Musette und Marcel vereint. Musetta opfert ihre Ohrringe, um der
Kranken den letzten Wunsch zu erfüllen: einen Muff. Und Collin, ein
Philosoph mit Herz, versetzt seinen alten Mantel. Rudolf bleibt bei der
Sterbenden; sie sind allein mit ihren Erinnerungen.
Die Freunde kommen mit ihren Gaben zurück, eine letzte Freude für Mimì. Sanft schlummert sie hinüber.



